<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[rosa kapelle 🕊️💗]]></title><description><![CDATA[Immer links, trotz alledem.]]></description><link>https://www.rosakapelle.de</link><image><url>https://www.rosakapelle.de/img/substack.png</url><title>rosa kapelle 🕊️💗</title><link>https://www.rosakapelle.de</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Sat, 11 Apr 2026 08:46:52 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://www.rosakapelle.de/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Joshua Samuel Strack]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[rosakapelle@substack.com]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[rosakapelle@substack.com]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Joshua Samuel Strack]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Joshua Samuel Strack]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[rosakapelle@substack.com]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[rosakapelle@substack.com]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Joshua Samuel Strack]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Brüssel kriminalisiert die Entsorgung]]></title><description><![CDATA[Ein Bericht aus dem verm&#252;llten Stadtleben: Wie &#220;berwachung und harte Strafen uns vom Systemversagen ablenken.]]></description><link>https://www.rosakapelle.de/p/die-kriminalisierung-der-entsorgung</link><guid isPermaLink="false">https://www.rosakapelle.de/p/die-kriminalisierung-der-entsorgung</guid><dc:creator><![CDATA[Joshua Samuel Strack]]></dc:creator><pubDate>Thu, 08 May 2025 17:00:00 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!8e2A!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5025e0ad-adf6-42d2-bf35-229d5139be7c_1860x994.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Die folgende Reportage &#252;ber das Br&#252;sseler M&#252;llproblem und seine strukturellen Ursachen habe ich f&#252;r das linke Medienprojekt <em><a href="https://unterpalmen.net/radio/">Unter Palmen</a></em> verfasst und als Radiobeitrag eingesprochen. Dieser wurde am 8. Mai im &#246;sterreichischen Radio ORANGE 94.0 gesendet und kann unter folgendem Link (ab 40:30) nachgeh&#246;rt werden: <a href="https://cba.media/709021">https://cba.media/709021</a></p></blockquote><h3>&#187;Bienvenue &#224; Bruxelles&#171;</h3><p>Schon auf dem Weg vom Bahnhof hin zu meiner ersten Unterkunft ekelt mich seine Allgegenw&#228;rtigkeit an: M&#252;ll ist in Br&#252;ssel &#252;berall. Er liegt auf dem B&#252;rgersteig vor Hauseing&#228;ngen und er liegt am Stra&#223;enrand. Manchmal in T&#252;ten, manchmal lose und gelegentlich stapelt er sich auch in skurril anmutenden Bergen auf &#252;berf&#252;llten M&#252;lleimern.</p><p>Mein Uber-Fahrer erz&#228;hlt mir, dass die zu gut verdienenden EU-Beamten die Mieten in die H&#246;he treiben w&#252;rden &#8211; die Wohnungsnot ist f&#252;r die allermeisten Menschen in Br&#252;ssel sp&#252;rbar. Gleichzeitig platzt die Stadt f&#246;rmlich vor lauter Abfall: Der M&#252;ll nimmt sich den Raum, der ihm nicht gegeben wird.</p><p>In meinem neuen Zuhause angekommen, nehme ich Notiz von der nichtvorhandenen Gr&#246;&#223;e des Zimmers. Die gesamte K&#252;che besteht aus einer Camping-Herdplatte und einer Mini-Bar. Es wirkt so, als h&#228;tte man nicht nur die Anzahl der Quadratmeter reduziert, sondern auch die M&#246;bel gleich mit geschrumpft. Das Bad teile ich mir mit anderen Bewohnern des Hauses &#8211; also alles wie immer.</p><p>Ich verschwende nicht zu viel Zeit damit, mich &#252;ber den Br&#252;sseler Wohnungsmarkt aufzuregen. Stattdessen richte ich mich ein, starte in den neuen Job. Der fehlende Platz st&#246;rt anfangs nicht zu sehr: Auch, wenn ich f&#252;r mein Leben gerne durch Biol&#228;den schlendere und meine Nachmittage am liebsten in der K&#252;che verbringe: Zum ausf&#252;hrlichen Kochen w&#252;rde sowieso kaum Zeit bleiben &#8211; ich bestelle also fast t&#228;glich.&nbsp;</p><p>Zuerst schleichend, dann ganz pl&#246;tzlich stehe ich jedoch vor einem Problem: Die M&#252;llt&#252;ten, in denen ich &#8211; fein s&#228;uberlich getrennt versteht sich &#8211; alle Verpackungen, benutztes Plastikbesteck, &#252;bergebliebene Essensreste und die Pizzakartons sammle, platzen aus allen N&#228;hten. Und als ich dann noch die Abholung verpasse, weil ich bis sp&#228;t abends arbeiten muss, beginnt ein richtiggehender Kampf gegen den M&#252;ll.</p><p>Weniger M&#252;ll zu verursachen ist nicht leicht, denn ich habe partout keine Zeit, um selbst zu kochen. Und auf viele Hygieneartikel will ich einfach nicht verzichten. Die n&#228;chste Abholung findet jedoch erst wieder in einer Woche statt &#8211; und ob ich zu dem Zeitpunkt in der Wohnung sein kann, ist noch v&#246;llig unklar. Fr&#252;her rauslegen m&#246;chte ich den M&#252;ll aber auch nicht &#8211; auf ein Bu&#223;geld der Stadt und eine Verwarnung der Hausverwaltung kann ich getrost verzichten.</p><p>Bei einem Spaziergang durch mein Wohnviertel sto&#223;e ich auf eine offensichtlich nicht angemeldete M&#252;lldeponie und ich habe pl&#246;tzlich den Eindruck, mit meinem Problem nicht g&#228;nzlich alleine zu sein. Ich denke dar&#252;ber nach &#8211; und widerstehe schlie&#223;lich doch dem Drang, meinen Abfall still und heimlich dazuzustellen. Am Ende ist es mein entleerter Kleiderschrank, der bis zum n&#228;chsten Abholtermin f&#252;r die vollgepackten T&#252;ten herhalten muss. Es w&#228;re auch anders gegangen, aber ich bin nicht bereit, dem M&#252;ll auch nur einen einzigen Quadratmeter meiner eh schon viel zu kleinen Wohnfl&#228;che zu opfern.</p><p>Nach wenigen Wochen ziehe ich um. Ich passe meine Arbeitszeiten an den M&#252;llplan an und sprinte mehr als nur einmal durch die halbe Stadt, um es noch p&#252;nktlich bis zur Abholung wieder nach Hause zu schaffen. Aber ich lerne, damit umzugehen. Und ich realisiere, dass ich mit meiner Frustration nicht alleine bin.</p><h3>&#187;Le syst&#232;me d'&#233;limination des d&#233;chets&#171;</h3><p>Wer in Br&#252;ssel lebt, lernt, sich mit dem M&#252;ll zu arrangieren. Das bedeutet, ihn in der &#214;ffentlichkeit so weit wie m&#246;glich auszublenden und den eigenen Alltag um die st&#228;dtischen Abholungszeiten herum zu planen. Es bedeutet, in den Au&#223;enbereichen von Bars zu sitzen, vor denen sich der M&#252;ll stapelt und es bedeutet, gro&#223;e B&#246;gen um die versifften, wahllos vor T&#252;ren abgestellten Matratzen zu machen.</p><p>Dass Br&#252;ssel ein Problem mit seiner Verm&#252;llung hat, ist keine neue Erkenntnis &#8211; im Gegenteil. In den sozialen Medien wurden am Stra&#223;enrand liegende M&#252;llt&#252;ten <a href="https://www.instagram.com/p/C8NaUc6N-h-/">l&#228;ngst zum Meme erkl&#228;rt</a>. Und dass &#8211; in Anf&#252;hrungszeichen &#8211; &#8220;die Politik&#8221; sich dem Ganzen endlich mal annehmen sollte, taugt wahrscheinlich zur Stammtischparole.</p><p>Dabei k&#246;nnte man argumentieren, dass es doch so einfach sei: Der M&#252;ll wird von den Einwohnern <a href="https://www.brussels.be/waste">in verschiedenfarbigen T&#252;ten gesammelt</a> und dann zu festen Zeiten vor die Haust&#252;r gestellt. Wenn alle sich an die vorgegebenen Zeiten halten und korrekt sortieren, steht der M&#252;ll nie l&#228;nger als ein paar Stunden rum, bevor die st&#228;dtische M&#252;llentsorgung ihn einsammelt und sich um den Rest k&#252;mmert &#8211; simpler geht&#8217;s ja wohl kaum. Ist das Problem also doch nur auf die Faulheit von ein paar unsolidarischen Mitmenschen zur&#252;ckzuf&#252;hren? Ich glaube, es ist komplizierter: Das Br&#252;sseler Abfallentsorgungssystem hat n&#228;mlich eindeutige systematische Schw&#228;chen.</p><p>Vermutlich am auff&#228;lligsten ist das fl&#228;chendeckende Fehlen von M&#252;lltonnen. 2023 gab der zust&#228;ndige Minister an, dass insgesamt <a href="https://www.politico.eu/article/brussels-dirty-new-waste-reform/">nur 30 Prozent aller Einwohner</a> ihren Abfall in Tonnen recyclen w&#252;rden. &#220;berhaupt kommen feste Tonnen eher in gr&#246;&#223;eren Wohnanlagen zum Einsatz &#8211; wenn man ausnahmsweise mal trotzdem an einer privaten Tonne vorbei l&#228;uft, sind diese meist angekettet und mit einem festen Schloss versehen. Das Ablegen von T&#252;ten ist stattdessen der Standard, was jedoch auch einige Probleme mit sich bringt: Sobald es mal nicht zur Abholung kommt, werden schnell Tiere angelockt &#8211; und ein Unwetter reicht, um den Inhalt in der gesamten Nachbarschaft zu verteilen.</p><p>Eine vor zwei Jahren umgesetzte Reform des Abfallentsorgungssystems hat zudem eine entscheidende Neuerung eingef&#252;hrt: Statt im Voraus &#252;ber den ungef&#228;hren Zeitpunkt der Abholung zu informieren, wird mittlerweile ein exakter Zeitraum festgelegt, in dem der M&#252;ll vor der Haust&#252;r abgestellt werden darf &#8211; gerade mal <a href="https://www.arp-gan.be/en/calendar-rubbish-bags">zwei bis vier Stunden pro Woche</a>. Ein liberaler Kommunalpolitiker <a href="https://x.com/A_SOMMA1/status/1657806069777694720">kommentierte</a> damals, man m&#252;sse nun Student, arbeitslos oder im Ruhestand sein, um weiterhin seinen M&#252;ll rausbringen zu d&#252;rfen. Und er hat nicht ganz Unrecht: Wer zu diesem Zeitpunkt einer Lohnarbeit nachgehen, seine Kinder versorgen oder sich ehrenamtlich engagieren m&#246;chte, hat scheinbar Pech gehabt. Dass die dazugeh&#246;rigen Flyer, die &#252;ber die Reform informieren sollten, <a href="https://www.politico.eu/article/brussels-dirty-new-waste-reform/">ausschlie&#223;lich in niederl&#228;ndisch und franz&#246;sisch bereitgestellt wurden</a>, machte in einer internationalen Stadt wie Br&#252;ssel das Chaos perfekt.</p><h3><strong>&#187;Signaler un d&#233;p&#244;t clandestin!&#171;</strong></h3><p>Die Probleme, vor denen die Stadtverwaltung steht, sind vielf&#228;ltig. Und zu glauben, dass sich die Verunreinigung einer gesamten Gro&#223;stadt mit dem Kauf von ein paar neuen Tonnen l&#246;sen lie&#223;e, w&#228;re vermessen. So betont die Stadt beispielsweise zu Recht, dass die Nutzung von losen T&#252;ten auch mitverantwortlich ist f&#252;r die <a href="https://www.politico.eu/article/brussels-dirty-new-waste-reform/">enorm hohe Recyclingquote</a>. Und auch die Einrichtung von &#246;ffentlichen M&#252;llcontainern h&#228;tte zur Folge, dass man die heute schon <a href="https://brusselsmorning.com/brussels-embraces-underground-trash-bins-for-cleaner-streets/52128/">knappe Anzahl an Parkpl&#228;tzen</a> weiter reduzieren m&#252;sste. Viele Dilemmata sind nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Aber, auch wenn die Einsicht, dass es sich um ein systematisches Problem handelt, simpel sein mag &#8211; sie bleibt richtig. Das zu betonen ist nicht selbstverst&#228;ndlich, wie manche Reaktionen aus der Politik beweisen. Die Stadt setzt n&#228;mlich weniger auf eine systematische Verbesserung als auf eine Bestrafung der Einzelnen.</p><p>Grunds&#228;tzlich herrscht Einigkeit darin, dass man hart gegen das illegale Abladen von M&#252;ll vorgehen will. Aber bereits jetzt sind die Bu&#223;gelder sehr hoch. In der Vergangenheit <a href="https://www.bruzz.be/videoreeks/donderdag-12-september-2019/video-politie-pluist-vuilniszakken-uit-op-zoek-naar">durchk&#228;mmte die Polizei sogar ganze Stra&#223;en</a>, um hunderte von privaten M&#252;llt&#252;ten nach Hinweisen auf die dahinterstehenden Personen zu durchsuchen. Dazu kommt die <a href="https://www.brusselstimes.com/60114/anderlecht-brussels-to-fight-illegal-dumping-with-additional-surveillance-cameras-trash-waste-importing-civil-offences">Video&#252;berwachung von besonders stark betroffenen Stellen</a> zum Einsatz, bei denen vermehrt auf sogenannte Smart Cameras gesetzt werden soll. Ich halte jeden dieser Ans&#228;tze f&#252;r fehlgeleitet.</p><p>Wer trotz der Hindernisse alles tut, um seinen M&#252;ll ordnungsgem&#228;&#223; zu entsorgen, ist nachvollziehbarerweise w&#252;tend, wenn die Nachbarschaft und der Weg zur Arbeit weiterhin vollkommen vernachl&#228;ssigt daherkommen. Die Schuld ist leicht bei denen gefunden, die sich scheinbar nicht dieselbe M&#252;he machen &#8211; und die Forderung nach mehr &#220;berwachung ist schnell gemacht. Aber ich m&#246;chte eine andere Perspektive vorschlagen: Durch schmerzhafte Strafen und ein hohes Polizeiaufgebot werden n&#228;mlich genau die Menschen kriminalisiert, die ebenfalls unter demselben mangelhaften System zu leiden haben. Die Forderung nach einer erh&#246;hten Strafverfolgung blendet diese systematische Ebene jedoch v&#246;llig aus und &#252;bertr&#228;gt die Verantwortung wieder zur&#252;ck auf Einzelpersonen. Noch dazu kreiert sie einen Vorwand f&#252;r die Aush&#246;hlung von B&#252;rgerrechten.</p><p>Erst vor ein paar Monaten ereignete sich in Br&#252;ssel eine wirklich besonders absurde Anekdote: Die Stadt entschied, hunderte &#246;ffentliche <a href="https://www.bruzz.be/actua/milieu/honderden-openbare-vuilnisbakken-verdwenen-uit-straatbeeld-van-stad-brussel-2024-08-18">M&#252;lleimer wieder zu entfernen</a>, da viele Menschen diese auch f&#252;r ihren Hausm&#252;ll gebrauchten. Anstatt anzuerkennen, dass es auch abseits der geschaffenen M&#246;glichkeiten einen erh&#246;hten Bedarf zur M&#252;llentsorgung gibt, beschnitt man die &#246;ffentliche Infrastruktur einfach noch weiter. Die Gefahr, dass die Verantwortung komplett auf den einzelnen B&#252;rger abgeladen wird, ist daher keine rein abstrakte &#220;berlegung. Scheinbar niemand stellte sich die Frage, wieso Personen denn &#252;berhaupt erst auf die Idee kommen, die dreckigen Windeln ihrer Kinder im M&#252;lleimer auf der Stra&#223;e zu entsorgen.</p><p>Ich glaube, einen Teil der Antwort zu kennen: Das Leben in Br&#252;ssel ist teuer, die Arbeit ist stressig und der Wohnraum ist sehr knapp. Und das mangelhafte Abfallentsorgungssystem verlagert die gesamte M&#252;lllagerung und -trennung bis zur finalen Abholung in die privaten R&#228;umlichkeiten. Dass Menschen nach Wegen suchen, um wenigstens nicht auch in ihrem allerletzten R&#252;ckzugsort noch den M&#252;ll vor der Nase haben zu m&#252;ssen, ist vielleicht nicht die allerfeinste Art &#8211; aber es ist verst&#228;ndlich.</p><p>Das illegale Abladen von massenhaft privatem oder gar industriellem M&#252;ll ist nat&#252;rlich trotzdem kein Kavaliersdelikt. Gerade Unternehmen, die sich auf Kosten der Allgemeinheit nicht um eine fachgerechte Entsorgung k&#252;mmern, m&#252;ssen konsequent zur Rechenschaft gezogen werden. Aber wenn es um den M&#252;ll auf der Stra&#223;e von Gro&#223;st&#228;dten geht, sollte man die Schuld f&#252;r ein systematisches Versagen niemals bei den einzelnen Bewohnern suchen. Selbst wenn man die gesamte Stadt rund um die Uhr video&#252;berwachen w&#252;rde, w&#252;rde es nicht einen einzigen leeren Joghurtbecher weniger geben.</p><p>In einer Gesellschaft, in der man unter der Lohnarbeit und zu wenig Wohnraum &#228;chzt, zu hohe Mieten zahlt und kaum Zeit zum Kochen hat, ist es wichtig, sich die Schuld nicht gegenseitig in die Schuhe zu schieben. Viel effektiver ist es, sich politisch zu organisieren und gemeinsam die Stimme f&#252;r eine w&#252;rdevolle Daseinsvorsorge zu erheben &#8211; eine Kriminalisierung der Entsorgung steht dazu jedoch in einem klaren Widerspruch.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.rosakapelle.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Olaf Scholz bei Tilo Jung: Leider nur Live Action Role-Play]]></title><description><![CDATA[Der amtierende Bundeskanzler soll ein Interview geben, als sei er Repr&#228;sentant der gesamten Menschheit &#8211; und sein Gastgeber ein Alien.]]></description><link>https://www.rosakapelle.de/p/olaf-scholz-bei-tilo-jung-leider</link><guid isPermaLink="false">https://www.rosakapelle.de/p/olaf-scholz-bei-tilo-jung-leider</guid><dc:creator><![CDATA[Joshua Samuel Strack]]></dc:creator><pubDate>Fri, 21 Feb 2025 11:00:00 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!8e2A!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5025e0ad-adf6-42d2-bf35-229d5139be7c_1860x994.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Es ist nicht Angela Merkel geworden: Seit 2013 hat Tilo Jung immer wieder versucht, die Bundeskanzlerin zu einem Interview zu bewegen. Damals noch ausgestattet mit wackeligen GoPro-Kameras und wechselnden Drehorten, hat sich das Format seitdem stark gewandelt. &#220;ber zehn Jahre sp&#228;ter gilt Jung nicht mehr als &#187;enfant terrible&#171; der Bundespressekonferenz. Er hat ein eigenes Produktionsstudio und l&#228;dt die G&#228;ste zu sich in den Livestream ein. Mit der Zusage von Olaf Scholz ist nun auch erstmals der Kopf einer Bundesregierung <a href="https://www.youtube.com/watch?v=kFPnPiNkrd8">bei ihm in der Show</a> &#8211; ein H&#246;hepunkt f&#252;r das Format. Die gew&#228;hlte Interviewtechnik verwundert jedoch.&nbsp;</p><p>Statt sich einem breiten Strau&#223; an bundespolitischen Themen zu widmen, bittet Jung den amtierenden Bundeskanzler, ein Rollenspiel einzugehen: Scholz soll dieses Interview geben, als sei er ein Repr&#228;sentant der gesamten Menschheit und Tilo Jung ein auf die Erde blickender Alien. So absurd das Szenario auch klingen mag, so produktiv k&#246;nnte es tats&#228;chlich f&#252;r ein kritisches Interview genutzt werden: Den Regierungschef auch f&#252;r die politischen Konsequenzen in anderen L&#228;ndern verantwortlich zu machen, setzt einen universalistischen Grundtenor und k&#246;nnte viele au&#223;enpolitische Widerspr&#252;che offenlegen. Eine grunds&#228;tzliche Kritik an der nationalstaatlichen Ordnung l&#228;sst sich wohl kaum verdaulicher gestalten.</p><p>Die Umsetzung will aber auf keiner dieser Ebenen so richtig fruchten. Schon Jahre zuvor hat Jung eine &#228;hnliche Metapher gezeichnet, um dem Philosophen Noam Chomsky <a href="https://www.youtube.com/watch?v=h0qdbsE3Jqo">seine Erkenntnisse &#252;ber das menschliche Zusammenleben zu entlocken</a>. Wer aber glaubt, diesen Ansatz auf einen Regierungschef &#252;bertragen zu k&#246;nnen, untersch&#228;tzt die hartn&#228;ckigen Zw&#228;nge, aus denen heraus politische Entscheidungstr&#228;ger ihre wohl&#252;berlegten Aussagen treffen: Zu routiniert spult Scholz seine Talking Points ab, zu schnell f&#228;llt Jung ihm wieder ins Wort, um an das eigentliche Szenario zu erinnern. Schnell machen sich Langeweile und auch ein wenig Fremdscham breit. Scholz ist nun mal kein Chomsky.</p><p>Erst hinten raus wird es nochmal spannend, als Jung vom Experiment abl&#228;sst und unbequeme Fragen zur deutschen Verantwortung f&#252;r das Leid in Gaza stellt. Scholz wirkt f&#252;r seine Verh&#228;ltnisse merklich w&#252;tend, beginnt, sich mit beiden H&#228;nden an den Tischkanten festzuhalten, und wirft pl&#246;tzlich seinem Gastgeber sogar vor, die Fragen seien &#187;einer Gro&#223;machtfantasie entsprungen&#171;. Ein hochinteressanter Moment, der jedoch keine zehn Minuten lang dauert und der letzte seiner Art ist. Man bleibt zur&#252;ck mit dem Gef&#252;hl, dass hier eine gro&#223;e Chance verpasst wurde.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.rosakapelle.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item></channel></rss>